Stellungnahmen der DGL

Fachgespräch: Fachkräftemangel Ökologie
Bericht zum Fachgespräch von Verbänden zum Fachkräftemangel in umweltbezogenen Naturwissenschaften: Stolperstein der Transformation
Am 18. Dezember 2025 fand auf Einladung des DWA-Fachausschusses GB 1 „Ökologie und Management von Flussgebieten“ der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) ein Online-Fachdialog mit Verbandsvertretern aus ökologischen Berufsfeldern statt, um den spezifischen Fachkräftemangel in umweltbezogenen, naturwissenschaftlichen Berufsfeldern zu diskutieren. Beteiligt haben sich neben Vertreter:innen der Initiatoren, der Bundesverband Beruflicher Naturschutz e. V. (BBN), der Deutsche Verband für Angewandte Geographie e. V. (DVAG), die Fachsektion Hydrogeologie e.V. der Deutschen Geologische Gesellschaft - Geologische Vereinigung e. V. (FH-DGGV) sowie die Deutsche Gesellschaft für Limnologie e. V. (DGL). Während des Treffens wurde eine gemeinsame Situationsanalyse erarbeitet und Zielvorstellungen und mögliche Handlungsoptionen abgesteckt.
Der Fachkräftemangel ist kein neuartiges Phänomen, doch seine Auswirkungen werden in den kommenden Jahrzehnten zunehmend spürbar. Laut Prognosen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter bis 2030 um 3,9 Millionen und bis 2060 um 10,2 Millionen sinken. Diese Entwicklung stellt nicht nur die Wirtschaft insgesamt vor Herausforderungen, sondern speziell die umweltbezogenen Naturwissenschaften, die als Teil der MINT-Fächer ebenfalls unter diesem Mangel leiden.
Der spezifische Fachkräftemangel in umweltbezogenen Naturwissenschaften resultiert einerseits daraus, dass Umweltschutz und Ökologie in den 1980er und 1990er Jahren als Berufsfelder in Behörden, Beratungsunternehmen, Ingenieurbüros und der Industrie entstanden sind und nun viele Arbeitnehmer:innen in der nahen Zukunft das Ende ihres Berufslebens erreichen oder schon erreicht haben. Zudem hat sich das Berufsfeld „Umwelt“ im Zuge der gesellschaftsrelevanten Themen des Klimawandels und der Nachhaltigkeit stark ausgeweitet, wodurch es für natur- oder umweltinteressierte Bewerber:innen deutlich mehr Berufsoptionen bzw. Tätigkeitsfelder gibt. Ein weiterer Faktor, der den spezifischen Fachkräftemangel insbesondere in der Ökologie verschärft, ist die Ausrichtung in der universitären Ausbildung hin zu verstärkter wissenschaftlicher Spezialisierung und weniger praxisorientierter Generalisierung.
Klima- und Biodiversitätskrise, Rohstoffknappheit, Digitalisierung u.v.m. fordern eine umfassende Transformation. Die dazu nötigen Projekte gehen oft mit umfangreichen und komplexen Planungs- und Genehmigungsverfahren einher, die hohe fachliche und rechtliche Anforderungen stellen - bei gleichzeitig hohem Zeitdruck für die Umsetzung dieser Maßnahmen. Ohne ausreichendes und qualifiziertes Personal bei Planungsbüros, Maßnahmenträgern und Fachbehörden wird diese Transformation nicht gelingen. Der Fachkräftemangel in den umweltbezogenen Naturwissenschaften stellt somit eine Herausforderung dar, die dringend angegangen werden muss.
Folgende drei Handlungsoptionen wurden im Zuge des Fachgesprächs identifiziert:
- Entwicklung und Umsetzung einer Strategie zur Kommunikation und zur Unterstützung von Verbänden, u. a. durch Schärfung der Berufsbilder durch Berufsprofile für Schulen, Hochschulen, Bundesinstitut für berufliche Bildung und der Arbeitsagentur.
- Prüfung von Optionen zur Ergänzung der aktuellen Ausbildungswege wie z. B. duale Studiengänge mit einem stärkeren Fokus auf außeruniversitäre Karriereoptionen sowie die Verbesserung und Erweiterung der bestehenden Weiterbildungsangebote zur gezielten Unterstützung von „Quereinsteigern“.
- Erarbeitung eines gemeinsamen Politikpapiers aller interessierten Verbände.
Die Teilnehmenden möchten die gemeinsame Arbeit fortsetzen und hoffen auf rege Beteiligung weiterer Verbände, die im ökologischen Bereich tätig sind.
Andreas Müller, Tanja Pottgiesser (DWA), Christof Martin, Heike Milkowski-Fingerle (BBN), Dirk Radny (FH-DGGV), Gabriele Trommer (DGL), Carolin Wicke (DVAG)

Weltwassertag 2026
Ein paar Gedanken zum Weltwassertag
Mit dem Weltwassertag am 22. März 2026 machen die Vereinten Nationen seit 1993 jährlich auf die Bedeutung der Ressource Wasser aufmerksam. Denn noch immer hat jeder vierte Mensch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Unsichere Wasserversorgung verschärft Armut, Ungleichheit und Konflikte – besonders betroffen sind die Schwächsten. Der gerade veröffentlichte Weltwasserbericht der UNO zeigt zudem: Die globale Wasserkrise trifft Frauen besonders hart. Deshalb steht der diesjährige Weltwassertag unter dem Motto: Wo Wasser fließt, wächst Gleichberechtigung.
Auch in Europa und Deutschland treten Wassermangel und andere wasserbezogene Katastrophen vor allem in Folge des Klimawandels und veränderter Landschaften häufiger auf. Anhaltende Dürren, sinkende Grundwasserstände und Überschwemmungen gefährden die Wasserversorgung und verursachen erhebliche Schäden. Gleichzeitig entstehen neue Nutzungskonflikte – etwa bei Industrieansiedlungen.
Trotz großer Fortschritte im Gewässerschutz stehen wir auch in Deutschland vor neuen Herausforderungen: Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie verläuft langsamer als erhofft. Steigende Temperaturen und höhere Verdunstung lassen Grundwasserstände sinken und sorgen dafür, dass Flüsse nicht mehr das ganze Jahr fließen. Die Urbanisierung erfordert halbgeschlossene Wasserkreisläufe und das Management neuartiger Spurenstoffe. Invasive Arten können die biologische Vielfalt und Funktionen von Gewässerökosystemen beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, Forschung und Praxis enger zu verbinden – hier kann die Gesellschaft für Limnologie einen wichtigen Beitrag leisten.
Der diesjährige Weltwassertag findet in einer sehr angespannten globalen Lage statt, die durch eine hohe Anzahl gewaltsamer Konflikte, verschärfte geopolitische Spannungen und Aufrüstung gekennzeichnet ist. Die Zerstörung der Wasserinfrastruktur und der Wasserressourcen als Teil der Kriegsführung verschärft die Wasserkrise zusätzlich. Gleichzeitig ist die internationale Zusammenarbeit bei der Bewältigung globaler Probleme wie dem Klimaschutz als auch die Entwicklungshilfe auf dem Wassersektor aus ökonomischen und politischen Gründen gefährdet. Sehr kritisch wirken in dem Zusammenhang auch die bewusste Ignoranz wissenschaftlicher Erkenntnisse und die wissenschaftsfeindliche Politik der Trump-Administration.
Und doch gibt es auch Hoffnung: Dank des besseren Zugangs zu Trinkwasser, sanitären Anlagen und Hygiene konnte die Kindersterblichkeit in den vergangenen Jahrzehnten halbiert werden- ein großer Erfolg internationaler Zusammenarbeit. Zahlreiche Hilfsorganisationen und Netzwerke setzen sich in vielen Regionen trotz schwieriger Randbedingungen erfolgreich für den Zugang zu sauberem Trinkwasser ein. Fortschritte in der Abwasserreinigung, Renaturierungsprojekte und erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit – etwa am Rhein und der Donau – zeigen, dass nachhaltiges Wassermanagement möglich ist.
Wasser verbindet uns alle. Sein Schutz geht uns alle an!
Michael Hupfer
(Präsident der Deutschen Gesellschaft für Limnologie)

DWA-Positionspapier: Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung
19.10.2023
Die DGL hat an oben genanntem Positionspapier mitgewirkt. Es kann unter folgendem link heruntergeladen werden:
https://de.dwa.de/files/_media/content/03_THEMEN/Wasserbewusste-Stadt/Position_Allianz_Wasserbewusste_Stadtentwicklung.pdf

Wissenschaftliches Memorandum zum politischen Zielkonflikt Klimaschutz versus Biodiversitätsschutz bei der Wasserkraft
8.11.2021
Die DGL ist eine der 30 wissenschaftlichen Institutionen, die der Bundespolitik dringend empfehlen, die Förderung von ineffizienten Kleinwasserkraftwerken aus EEG- oder Steuermitteln zu beenden. Insgesamt 65 Fachwissenschaftler:innen haben die Stellungnahme unterzeichnet, da Deutschland bislang wesentliche Umweltziele im Biodiversitäts- und Gewässerschutz verfehlt. Das wissenschaftliche Memorandum informiert über die Hintergründe, Zusammenhänge und Lösungsmöglichkeiten des politischen Zielkonflikts zwischen Klimaschutz versus Biodiversitätsschutz bei der Wasserkraftnutzung und empfiehlt sieben umweltpolitische Initiativen. Diese zielen darauf ab, die Nutzung der Wasserkraft mit den gesetzlichen Zielen des Gewässer- und Biodiversitätsschutzes zu harmonisieren. Damit ermöglichen diese Initiativen auch die Umsetzung wesentlicher Forderungen der Nationalen Wasserstrategie.

Rahmenpapier der Water Science Alliance
02.08.2021
Das aktuelle Rahmenpapier der Water Science Alliance „Wassersysteme im Wandel - Herausforderungen und Forschungsbedarfe für die deutsche Wasserforschung“ steht hier kostenfrei zum Download bereit.

Auswirkungen des Klimawandels auf Gewässer
14.09.2020
Die DGL beteiligt sich an einem Aufruf von mehr als 100 Fachgesellschaften für Wasserforschung weltweit zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasser-Ökosysteme.
Hier finden Sie das Original-Statement in englischer Sprache sowie eine deutschsprachige Übersetzung.

Zur WRRL
21.06.2019
Die DGL hat eine Stellungnahme zum "Zeitplan und Arbeitsprogramm für die Aktualisierung des zweiten Bewirtschaftungsplans und Maßnahmenprogramms gemäß Artikel 14 EG-Wasserrahmenrichtlinie bezüglich der deutschen Flussgebiete (Zyklus 2021-2027)" abgegeben.
Die Stellungnahme können Sie hier einsehen.
