Unsere Aktivitäten

2025
Der Arbeitskreis Tauchen in der Limnologie unternahm im Anschluss an die Jahrestagung der DGL in Frankfurt, im Zeitraum vom 12.09. bis 14.09.2025, seine jährliche Tauchexkursion. Ziel der Exkursion war die Untersuchung von insgesamt sechs Gewässern. Die Erfassung der Makrophyten zur Einschätzung des Erhaltungszustandes (EHZ) der Standgewässer-Lebensraumtypen des Anhangs I der EU-Richtlinie 92/43/EWG (=Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, kurz FFH-Richtlinie) erfolgte nach der Methode des Naturschutztauchens (Arendt et al. 2011; BfN 2017). 

Fünf der untersuchten Gewässer befanden sich süd-westlich von Darmstadt in der Nähe von Gimbsheim, Eich und Biebesheim am Rhein, während sich das sechste Gewässer in der Nähe von Trebur östlich von Darmstadt befand. Die Gewässer entstanden durch die Förderung von Sand und Kies, wobei lediglich beim Pfarrwiesensee noch aktiv Sand und Kies gefördert wird. Der Pfarrwiesensee, der Altrheinsee, der Elisabethensee, welche sich zwischen Gimbsheim und Eich befinden, sowie der Wechselsee bei Biebesheim am Rhein sind ausgewiesene Bade- und Freizeitseen. Der Riedsee bei Biblis, auch bekannt als Kärchersee, ist ein überregional bekannter Surf- und Freizeitsee mit einer entsprechenden Infrastruktur. Das untersuchte Gewässer im Ortsteil Hessenaue bei Trebur wird hingegen im Wesentlichen als Angelgewässer genutzt und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Der Altrheinsee bei Eich lässt sich in drei Segmente unterteilen, die durch Engstellen miteinander verbunden sind. Im Rahmen der Tauchexkursion konnte durch eine Sondergenehmigung ein Bereich vom Altrheinsee betaucht werden, welcher nicht für Freizeitaktivitäten frei zugänglich ist und sich durch die Segmentierung des Sees vom Freizeitbereich differenzieren lässt. 

Für die Untersuchung und Bewertung der Gewässer wurde die Habitatstruktur hinsichtlich der Vollständigkeit, des Bedeckungsgrades an Characeen und der Artenvielfalt kartiert um den Lebensraumtyp (LRT) und den Zustand der Gewässer zu beurteilen. Bei diesen Kartierungen wurde der Arbeitskreis durch die ortsansässigen Naturschutztaucher Dirk Balzer (TC Atlantis Gimbsheim e.V.) und Frank Schulz (Tauch-Club-Turtle e.V. Bischofsheim) unterstützt.

Unterwasseraufnahmen

Unterwasseraufnahmen einiger untersuchter Seen. (A) Altrheinsee, (B) Wechselsee, (C) Elisabethensee, (D) Pfarrwiesensee. Fotos: (A) bis (C) Markus Eßer, (D) Silke Oldorff.

Die untersuchten Gewässer können als nährstoffarme bis mäßig nährstoffeiche kalkhaltige Stillgewässer mit Armleuchteralgen (LRT3140) bewertet werden (Tab. 1). Der Altrheinsee und der Elisabethensee konnten in der Gesamtbewertung als hervorragend (A) bis gut (B) bewertet werden. Während beide Gewässer hinsichtlich ihrer Artenvielfalt an Characeen vergleichbar waren, wies der Elisabethensee einen höheren Bedeckungsgrad an Characeen auf, weshalb die Gesamtbewertung, im Vergleich zum Altrheinsee (A-/B+), etwas besser ausfiel (A/A-). Das untersuchte Gewässer im Ortsteil Hessenauen, sowie der Kärchersee, konnten in der Gesamtbewertung als gut (B) bewertet werden. Ein wesentlicher Unterschied hinsichtlich der Vegetation von Characeen war die Artenvielfalt und der Bedeckungsgrad. Während das Gewässer in der Hessenauen eine gute Artenvielfalt aufwies (B) konnte der Bedeckungsgrad lediglich als mittel bis schlecht (C) bewertet werden. Im Falle des Kärchersees war das Bild gegenläufig. Hier konnte der Bedeckungsgrad als gut (B) bewertet werden, während die Artenvielfalt als mittel bis schlecht (C) bewertet wurde. Obwohl der Wechselsee in einigen Bewertungskriterien als gut (B) eingestuft werden konnte, wies er einen mittleren bis schlechten Bedeckungsgrad an Characeen (C) und einen hohen Grad an anthropogenen Einflüssen (C) auf. Das Gewässer wurde daher insgesamt als mittel bis schlecht (C) bewertet. Auch der Pfarrwiesensee wies einen vergleichbaren anthropogenen Einfluss auf. Hinzu kamen weitere Bewertungskriterien die mittel bis schlecht (C) bewertet wurden. In der Gesamtbewertung wurde der See, wie auch der Wechselsee als mittel bis schlecht (C) bewertet, wobei die detaillierte Bewertung nochmal schlechter ausfiel als beim Wechselsee.

Das Gesamtbild der untersuchten Gewässer ist unter Berücksichtig der Bewertungskriterien heterogen. Die Gewässerqualität lässt sich nicht direkt durch die Nutzung der Gewässer oder andere eindeutige Einflussfaktoren erklären. Dennoch legt die Bewertung des Pfarrwiesensees einen anthro-pogenen Einfluss der Gewässernutzung nahe, da hier noch aktiv Sand und Kies gefördert wird. Für eine valide Bewertung aller Gewässer wäre eine jährlich durchzuführende Tauchkartierung, welche auch jahreszeitliche Schwankungen bezüglich der Vegetation und Gewässernutzung berücksichtigt, nötig.

Literatur

  • Arendt, K.; Oldorff, S.; Kabus, T. Und Kirschey, T. (2011): Methodik und erste Ergebnisse des „naturkundlichen Tauchens“ in Seen des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land. – Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg 20 (4): 122-135.
  • Bundesamt für Naturschutz (BfN); Bund-Länder-Arbeitskreis (BLAK) FFH-Monitoring und Berichtspflicht (Hrsg.) (2017): Bewertungsschemata für die Bewertung des Erhaltungsgrades von Arten und Lebensraumtypen als Grundlage für ein bundesweites FFH-Monitoring, Auszug Binnengewässer, https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/monitoring/Dokumente/FFH_BWS/BWS_LRT_ Binnengewaesser.pdf (Aufgerufen am 31.05.2021)

2022
Höhepunkt der AK-Arbeit bildete 2022 die alljährliche Tauchexkursion. Die vom AK-Tauchen im Anschluss an die DGL-Jahrestagung in Konstanz organisierte Tauchexkursion führte, naheliegend, in den Bodensee. Dank der Unterstützung durch die Uni Konstanz (Prof. Dr. Lutz Beck, Prof. Dr. David Schleheck, Martin Wolf) konnten u. a. einige Tauchplätze der Exkursion von 2008 erneut angetaucht werden. Schon beim nahe der limnologischen Station gelegenen Fischreis (Totholzstruktur/künstlicher Laich- und Hegeplatz für Fische) war eine massive Veränderung des Bewuchses zu erkennen.

Das Fischreis war vollständig mit Quagga-Muscheln (Dreissena rostriformis) besetzt. Die Besiedlungsdichte war in dieser massiven, für Dreissena polymorpha bisher nicht beobachteten Dichte, auch an anderen Stellen zu beobachten. Nicht nur, dass, für Dreissena polymorpha untypisch, auch Weichsubstrat besiedelt wurde, war auffällig, dass nicht nur vereinzelt kleine Jungmuscheln an submersen Makrophyten siedelten (kein ungewöhnliches Bild für D. polymorpha) sondern hier ganze Pflanzenteppiche submerser Makrophyten aller Arten von Dreissena rostriformis vollständig und flächendeckend überwuchert und letztendlich auf den Gewässergrund gepresst wurden. Offenbar ist Dreissena rostriformis so mobil, dass sie sogar Kamberkrebse (Faxonius limosus) besiedeln kann. Die im Bodensee beobachtete Besiedlungsdichte konnte von den AK-Mitgliedern für andere Gewässer (noch) nicht beobachtet werden. 

Neben der (Foto-)Dokumentation von Makrozoobenthos-Organismen gilt ein besonderes Interesse immer der stichprobenartigen Erfassung von submersen Makrophyten an den jeweiligen Tauchspot.

Makrophytenerhebung unter Wasser


Zur Intensivierung der AK-Arbeit wurden bereits im zurückliegenden Jahr Onlinetreffen eingeführt. Im Januar 2023 lagen die Schwerpunkte des Onlinetreffs in der Nachbesprechung der Bodensee-Exkursion und in Informationen zu Entwicklungen zur Harmonisierung von Rechtsvorschriften zum wissenschaftlichen Tauchen auf EU-Ebene (Prof. Dr. Ralph Otto Schill).

Im März 2023 hat ein Bestimmungskurs stattgefunden. Vielen Dank an Ellen Kiel, die den Kurs geleitet hat, an ihre Mitarbeiterin, die Universität Oldenburg sowie die DGL, die den Kurs unterstützt hat.

Weiterhin sind online-Zusammenkünfte geplant und die Vorbereitungen für die Tauchexkursion im Rahmen der Jahrestagung 2023 in Köln nehmen Gestalt an.


2021
Anlässlich der Jahrestagung der DGL 2021 in Leipzig waren ausgewählte Gewässer des Leipziger Seenlandes Ziel der vom AK-Tauchen organisierten Tauchexkursion. Alle untersuchten Gewässer waren Tagebaugewässer unterschiedlichen Alters. Neben einem Steinbruch (Ammelshain) wurde die Braunkohletagebaugewässer im Süden Leipzigs Cospudener See, Kulkwitzer See, Zwenkauer See sowie der nördlich von Leipzig gelegene Schladitzer See betaucht. Die insgesamt sechs Teilnehmer:innen dokumentierten in mehreren Gruppen aus Sporttauchern:innen und Limnolog:innen Flora und Fauna sowie die Gewässerstruktur. Alle Braunkohlefolgewässer bis auf den mit 7 Jahren sehr jungen Zwenkauer See wiesen geschlossene, artenreiche Bestände bis in großen Tiefen von submersen Makrophyten und Characeengrundrasen auf. Trotz des geringen Flächenangebots waren die besiedelbaren Flachwasserbereiche des Steinbruchs Ammelshain dicht mit Myriophyllum heterophyllum bestanden. Aus den botanischen Erhebungen lassen sich folgende naturschutzfachlichen Bewertungen für den Lebensraumtyp 3140 ableiten, der Cospudener See, Kulkwitzer See und der Schladitzer See wiesen einen sehr guten Erhaltungszustand (A) auf. Der Zwenkauer See konnte nur mit einem schlechten Erhaltungszustand (C) bewertet werden.

Ebenso wurde in allen Gewässern (außer dem Zwenkauer See) eine hohe Fischdichte beobachtet. Makrozoobenthos, abgesehen von der omnipräsente Dreissena polymorpha war rar. Wie auch im vergangenen Jahr im Geiseltalsee konnten beim Nachttauchgang im Cospudener See im Freiwasser Larven der Familie Baetidae (Ephemeroptera) beobachtet werden.


2020
Der AK-Tauchen hat einen aktuellen Bericht zu seinen Aktivitäten vorgelegt.


2019
Seit der Gründung des AK-Tauchen 2003 wird jedes Jahr eine Tauchexkursion durchgeführt:

Tabelle mit Orten der Tauchexkursionen

Auch 2019 wurde wieder eine Tauchexkursion im (weiteren) Umkreis des Tagungsorts der Jahrestagung der DGL in Münster organisiert. 13 Teilnehmer (davon 11 DGL-Mitglieder) nahmen an der Tauchexkursion im Großraum Wesel teil. Betaucht wurden der Auesee (Wesel), Goch I+III (Goch), der Nord- und Südsee (Xanten) und das Reeser Meer (Rees).

Damit stellt sich der AK-Tauchen in der Limnologie als vitaler, aktiver und wachsender Arbeitskreis dar. Die Zahl der „Mitglieder“, DGL-Mitglieder und aktive Taucher, die am wissenschaftlichen Austausch mit den Fachkollegen interessiert sind, beläuft sich derzeit auf etwa 36 Persone