Am 2. Juni 2026 verstarb Dr. Hans-Peter Kozerski nach langer Krankheit. Wir, seine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, verlieren einen hochgeschätzten Menschen und vielseitig interessierten Forscher.

Hans-Peter Kozerski wurde am 7.01.1947 geboren. Er wuchs in Rüdersdorf am Rande Berlins auf, in einer wassersportbegeisterten Familie, deren drei Söhne später alle gewässerökologisch arbeiteten. Hans-Peter studierte an der Technischen Universität Dresden Wasserbau. Dort begannen damals Biologen um Dietrich Uhlmann, gewässerökologische Prozesse mathematisch zu beschreiben und Stoffflüsse quantitativ zu modellieren. Hans-Peter Kozerski wurde durch Jürgen Benndorf frühzeitig für die Modellierung von Trinkwassertalsperren begeistert. So arbeitete er in dieser Zeit hauptsächlich an der mathematischen Beschreibung der Phytoplanktonentwicklung in Abhängigkeit von Phosphor- und Lichtangebot sowie an der Modellierung des Sauerstoffgehaltes in Talsperren. Bereits 1972, mit 25 Jahren, schloss er seine Dissertation zur Prognose der Wasserbeschaffenheit in Trinkwassertalsperren ab.

Hans-Peter Kozerski wechselte dann nach Berlin an ein Institut der Akademie der Wissenschaften der DDR. Dort entstand gerade aus einer hydrophysikalischen Arbeitsgruppe ein gewässerökologischer Bereich, dessen Hausgewässer der Müggelsee wurde. Damals begann die kontinuierliche, bis heute fortgeführte Untersuchung dieses Sees als Modell für einen durchflossenen, polymiktischen Flachsee. Hans-Peter entwickelte und nutzte weiter mathematische Modelle, um die Phytoplanktonentwicklung besser verstehen und vorhersagen zu können. Dabei arbeitete er insbesondere mit Horst Behrendt, Günter Schellenberger und Volker Mohaupt zusammen. Sein Hauptinteresse galt dem Phosphoraustausch zwischen Sediment und Freiwasser in polymiktischen Systemen. Auf diese Fragen kam er dann Ende der 1990er Jahre noch einmal zurück, als er mit Andreas Kleeberg das Nährstoffbudget des Müggelsees bilanzierte.

Hans-Peter Kozerski war Mitinitiator einer Arbeitsgruppe, die ab 1987 wichtige Prozesse in Flachlandflüssen untersuchte. Er analysierte insbesondere den Rückhalt von Partikeln und Nährstoffen entlang der Spree. Da zur Prozessmessung in Flüssen geeignete Methoden oft noch fehlten, investierte Hans-Peter viel Zeit in deren Entwicklung und Erprobung. So erfand und erprobte er zusammen mit Klaus Leuschner Tellerfallen zur Messung der Netto-Sedimentation in Fließgewässern oder ein Penetrometer zur Quantifizierung von Schlammablagerungen. Mit Alexander Sukhodolov optimierte er Tracerversuche zur Messung der Längsdispersion. Diese Methoden nutzte er u.a., um mit Thomas Pluntke und Rene Schwartz die Sedimentation in Wasserpflanzenbeständen oder in Buhnenfeldern der Elbe zu analysieren. Die Ergebnisse der Untersuchungen an der Spree gingen u.a. in die Diskussion um mögliche alternative stabile Zustände in Flachlandflüssen ein, die er gemeinsam mit Sabine Hilt und Jan Köhler führte. Dr. Kozerski brachte seine Erkenntnisse in Sanierungskonzepte für Flachlandflüsse ein. Er engagierte sich stark für die Re-Mäandrierung der Spree durch den Wiederanschluss abgeschnittener Flussschlingen und erarbeitete viele Grundlagen für das damalige Altarmprogramm Brandenburgs.

Hans-Peter Kozerski war nicht nur als Forscher, sondern zeitlebens auch als Ruderer auf unseren Gewässern aktiv. Oft verband er beide Lebensthemen innovativ. So organisierte er am Beginn der Spree-Untersuchungen 1988 eine Ruderfahrt vom Spreewald nach Berlin, um das Untersuchungsobjekt kennenzulernen; die tagsüber gesammelten Proben wurden dann abends von Hartmut Arndt (Zooplankton) und Jan Köhler (Phytoplankton) analysiert. Legendär für alle Wanderruderer sind seine systematischen Sichttiefen-Messungen mit einer Secchi-Scheibe auf den von ihm organisierten Ruderfahrten entlang vieler europäischer Flüsse und Seenketten. Als Landeswanderruderwart des Brandenburger Ruderverbandes bemühte sich Hans-Peter um die Befahrbarkeit der Flüsse durch Sportboote bei gleichzeitiger Durchgängigkeit für Wasserorganismen, etwa durch die Initiierung und Testung von Borstengassen statt Wehren.

Leider waren die letzten Lebensjahre von Hans-Peter Kozerski durch eine schwere Krankheit geprägt. Mit seinem Tod verlieren wir einen vielseitig interessierten und besonders engagierten Menschen, dem wir viel zu verdanken haben.

Jan Köhler, Sabine Hilt, Norbert Walz, Brigitte Nixdorf, Michael Hupfer