ASLO-SIL 2026 Joint-Meeting

“Aquatic Confluence: Science, People, Knowledge” in Montréal, Québec, Kanada

Die Reise nach Montréal zum ASLO-SIL Joint-Meeting wurde uns Dank des Dietrich-Uhlmann Reisestipendiums der DGL ermöglicht. Auf der fünftägigen Konferenz stellten wir nicht nur unsere eigenen Forschungsergebnisse vor, sondern nahmen auch an zahlreichen Workshops und Angeboten für junge Wissenschaftler:innen in der Limnologie teil. Ganz im Sinne des Mottos der Konferenz – Aquatic Confluence – wurde die Konferenz von den beiden größten internationalen limnologischen Organisationen (ASLO und SIL) organisiert, was zu einer Vielzahl von interessanten Plenar- und Preisvorträgen führte. Gleich am ersten Konferenztag hielt eine junge Wissenschaftlerin der University of British Columbia einen besonders inspirierenden Vortrag. Die Wissenschaftlerin mit indigenen Wurzeln stellte ihre Forschung an althergebrachten Fischereimethoden der indigenen Gemeinschaften Nordamerikas vor und betonte die Notwendigkeit, die Menschen vor Ort aktiv in Forschung mit einzubinden. Die Kultur Kanadas stand auch bei der nachfolgenden Rede eines „Chief“ der lokalen First Nations im Mittelpunkt, welcher mit einer Art spirituellen Segnung und Worten zur Verbindung zu „Mutter Erde“ auf die kommenden Tage einstimmte. 

Simon Wentritt & Anna Oprei

Simon Wentritt:
Vor der eigentlichen Konferenz habe ich mit Kolleg:innen aus meinem Department den Besuch einer Field Station der Université de Montréal organisiert. Wir besuchten die Station de Biologie des Laurentides, welche seit den 1960er Jahren als Forschungsstation dient. Die Station liegt in einem 16 km2 Gebiet mit 15 Seen und circa 50 km Fließgewässern. Das ganze Gebiet steht unter Schutz und dient der Forschung, des Umweltmonitorings und der Ausbildung von Studierenden. Die relativ abgelegene Station ist das ganze Jahr über in Betrieb und umfasst drei größere Gebäude mit Laboren, Büros und Gästezimmern. Zur Forschungsinfrastruktur gehört auch eine große Mesokosmos-Anlage auf einem der Seen für bis zu 40 Mesokosmen. Neben limnologischen Fragestellungen werden auch terrestrische Fragen erforscht. Der technische Leiter, Gabriel Lanthier, zeigte uns eine Anlage zur Erwärmung des Waldbodens, um die Auswirkungen des Klimawandels auf Waldökosystem zu erforschen – man glaubt nicht, wie aufwendig es ist, kilometerweise Kabel durch den Wald zu legen. Bei einer Exkursion zur Montréal Biosphère, einem Museum für Umwelt- und Wasserthemen, konnten wir über die Verbindung von Kunst und Limnologie lernen und nachdenken. Dabei stand unter anderem Wissenschaftskommunikation mittels Kunst und Partizipation im Vordergrund - ein in meinen Augen übersehener Bestandteil wissenschaftlicher Arbeit. 

Auf der Konferenz konnte ich dann in der Session „Microbial-DOM coupling in inland waters in the light of biogeochemical cycles” die Ergebnisse eines Experiments meines PhD-Projekts in einem Vortrag mit dem Titel „Distinct pathways for intracellular and extracellular phosphorus entrapment in biofilms under variable light and labile carbon availability” vorstellen. Mein Vortrag war gut besucht und ich konnte im Anschluss mit einigen Kolleg:innen diskutieren, wobei unsere Methode zur Differenzierung der Phosphor-Pools in Biofilmen und die für unser Experiment genutzte Mesokosmos-Infrastruktur auf großes Interesse stießen. Weiterhin war eine der über 100 Sessions gänzlich der Forschung mit Mesokosmen gewidmet und viele Vorträge sowie einige der knapp 90 Poster befassten sich mit funktionalen Aspekten benthischer mikrobieller Gemeinschaften. Hier konnte ich mit vielen, vor allem jungen, Wissenschaftler:innen ins Gespräch kommen.

Ebenfalls im Sinne des Konferenzmottos wurde ich als aktives Mitglied von EFFS-EFYR eingeladen in einem Workshop und anschließendem Townhall mit dem Titel „Towards a cross-organizational early-career aquatic science alliance“ mitzuwirken. Mit anderen Repräsentanten limnologischer early-career Organisationen (ASLO Early Career Committee, SIL-ECR Committe, Aquacosm ECR Network, GLEON Student Association) legten wir den Grundstein für eine globale Zusammenarbeit unserer early-career Gemeinschaften. Wir planen nun erstmal einen effektiven Informationsaustausch bezüglich unserer Aktivitäten und unserer Erfahrungen in early-career Organisationen, damit mehr junge Wissenschaftler:innen von unseren Aktivitäten profitieren können.

Anna Oprei:
Mein Vortrag mit dem Titel “Floodplain Over Troubled Water: Mapping Daily Inundation Patterns In The Lowland Oder River Using Digital Elevation Models And Satellite Imagery” war Teil der interdisziplinären Session “The Next Frontier in Aquatic Sciences: Linking remote sensing, data science, modeling, and open science to better understand aquatic ecosystems”, welche sich dank des großen Interesses über ganze zwei Tage erstreckte. Trotz des doch recht unliebsamen Zeitpunktes meines Vortrags am Ende des letzten Konferenztages durfte ich mich über rege Beteiligung und anregende Impulse von Kollegen und Kolleginnen freuen. Ich stellte eine Methode zur Kartierung von Auenflächen vor, welche auf täglichen Pegeldaten und einem hochauflösenden Digitalen Geländemodell basiert, und damit vielerlei Anwendungen von der Wiedererschließung von Altarmen bis hin zu Szenarienanalysen ermöglicht. Im Anschluss an die Session kam ich mit einigen Zuschauenden noch tiefer ins Gespräch über Vor- und Nachteile von verschiedenen satellitenbasierten Indizes zur Detektion von Wasserflächen.

Neben dem eigenen Vortrag stand für mich vor allem das Netzwerken im Vordergrund. Die Konferenz war zwar mit geschätzt 1.500 Teilnehmenden keine kleine Veranstaltung, dennoch habe ich viele bekannte Gesichter wieder getroffen, welche ich bei vergangenen internationalen Konferenzen kennengelernt habe, und mindestens genauso viele Forschende habe ich neu kennenlernen dürfen. Die notwendige Plattform dafür boten diverse Abendveranstaltungen wie der Empfang mit Catering kanadischer Köstlichkeiten wie Poutine am ersten Konferenztag sowie der „Early Career Mixer“ am zweiten Abend. Hier kam man in lockerer Atmosphäre sehr schnell miteinander ins Gespräch und tauschte sich über gegenwärtige oder vergangene PhD- oder Postdoc-Projekte aus.

Ebenso besuchte ich fast alle Workshops und Veranstaltungen, welche an junge Wissenschaftler:innen gerichtet waren. So fand am Mittwochmorgen das „Mentor Café“ statt, bei dem Early Careers einer/einem Mentor zugeordnet wurden und diese:n in einer Art Speed Dating Format nach 10-15 Minuten wechseln konnten. Ich gewann hier interessante Einblicke und Perspektiven von erfahrenen Wissenschaftler:innen zu Themen wie Vereinbarung von Familie und Wissenschaft und Dual Career, und natürlich jede Menge persönliche Erfahrungsberichte. Eine Paneldiskussion in einer Mittagspause hatte wiederum das Ziel, verschiedene Berufsfelder für Early Careers nahbarer zu machen. Vier Wissenschaftler:innen stellten sich den Fragen der jungen Leute rund um ihre Berufsfelder Universität, Consulting/Industrie, Regierungssektor und NGO, und gaben Tipps zu Bewerbung und Einstieg. Ein weiterer Lunch-Workshop vermittelte grundlegende Tipps und Tricks im Zusammenhang mit dem Publizieren der eigenen Forschung, welche Hürden und Hindernisse auf einen warten und wie man damit umgeht. 

Insgesamt war die Konferenz für uns beide ein voller Erfolg. Wir haben bestehende Kontakte gepflegt und neue Kontakte geknüpft, uns auf vielen Ebenen weitergebildet und dazu einige Grundsteine für zukünftige Aktivitäten und mögliche Kooperationen gelegt. Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei der DGL und ihren Mitglieder:innen für die Finanzierung bedanken!

Internationale Konferenz zu Aquatischen Invasiven Arten

Vom 23. bis 27. August 2026 fand an der Queen’s University Belfast die 24. Internationale Konferenz zu Aquatischen Invasiven Arten (ICAIS) statt. Die Tagung ist das zentrale internationale Forum zu aquatischen invasiven Arten in Süß-, Brack- und Meeresgewässern. Gastgeber waren Queen’s University Belfast und das kanadische Invasive Species Centre, vor Ort organisierten insbesondere Dr. Ross Cuthbert und Prof. Jaimie Dick ein dichtes, gut strukturiertes Programm. Das Motto „Transcending Boundaries“ betonte die Verbindung von Forschung und Praxis über Lebensräume, Regionen, Disziplinen und die Schnittstelle von Wissenschaft und Politik und lockte dieses Mal ~350 Teilnehmer. 

Als Mitglied des wissenschaftlichen Komitees – eine Aufgabe, die ich nun seit sechs Jahren wahrnehme – war ich selbst in die Organisation eingebunden und habe zudem zwei Sessions als Chair geleitet. Ich konnte darüber hinaus zwei Vorträge halten und ein Poster präsentieren. Im Mittelpunkt stand die Global Fish Invasion Database (GFID), eine harmonisierte, offen zugängliche Zusammenstellung 1.536 etablierter nicht-heimischer Fischarten in 193 Ländern und mehr als 5.400 Art-Länder-Nachweisen. Poster und Vorträge stießen auf großes Interesse und führten zu konkreten Kooperationsgesprächen zur weiteren Datenharmonisierung und zur geplanten Erweiterung (u. a. morphologische und biologische Merkmale).

Wissenschaftlich besonders ertragreich war die Breite des Programms: faszinierende Sessions und Workshops etwa zu Sprachbarrieren in der Invasionsforschung und zu Ballastwasser, daneben Habitatnutzung und saisonale Dynamik invasiver Fische, Verhalten Ponto-Kaspischer Grundeln, funktionelle Merkmale bei Carassius-Arten sowie Lichtverschmutzung als zusätzlicher Stressor. Die Keynotes waren durchweg stark. Hervorzuheben ist unter anderem Ian Duggan zu Vektoren und dem Vorrang von Vermeidung vor Sanierung. Mehrere Early-Career-Formate (z.B. Mentorinnen-Lunch, Quiz-Abend, gezielte Netzwerktreffen) gaben Nachwuchswissenschaftler*innen sichtbaren Raum. Parallel wurde deutlich, wie sehr Früherkennung, Risikobewertung und Umsetzung in der Praxis noch auseinanderklaffen (und wie offene Datenbestände wie GFID hier eine Brücke schlagen können).

Ebenso wertvoll war der persönliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt. Belfast erwies sich als lebendiger Tagungsort mit einer ausgezeichneten Pub-Kultur, in der sich Fachgespräche abends ganz von selbst fortsetzten. Es entstanden neue Kontakte zu Arbeitsgruppen in Europa, Nordamerika und darüber hinaus, die sich direkt an meine laufende Marie-Curie-Arbeit zu Gewässervernetzung, Invasionen und Klimawandel bei gefährdeten kaltstenothermen Fischen anschließen.

Die DGL hat die Teilnahme durch ein Reisestipendium ermöglicht. Dafür danke ich dem Präsidium und der Geschäftsstelle sehr herzlich. Ohne diese Unterstützung wäre die aktive Mitwirkung – als Vortragender, Session Chair und langjähriges Komiteemitglied – an der wichtigsten internationalen Tagung zu aquatischen Neozoen nicht in diesem Umfang möglich gewesen.

Phillip J. Haubrock

Bericht Teilnahme GLEON

Dank des Dietrich-Uhlmann-Reisestipendiums konnte ich am diesjährigen GLEON All Hands‘ Meeting Anfang September in Banyoles, Spanien teilnehmen. Die Meetings des Global Lake Ecological Observatory Network (GLEON) sind anders als klassische Konferenzen, da dort der Austausch untereinander und Team Science ganz klar im Vordergrund stehen. So begann der erste Tag, ein Sonntag, mit verschiedenen Workshops, die sich primär an PhDs richteten, aber natürlich für alle offen waren. Dort habe ich zunächst mehr zu Winterlimnologie erfahren und wie man am besten bei Schnee und Eis Probenahmen durchführt, bevor es am Nachmittag beim Workshop „Decolonial Perspective and Scientific Practice“ weniger um Fachwissen, sondern um grundlegende Strukturen und den eigenen Blickwinkel in der Wissenschaft ging. 

Das Hauptmeeting begann für alle Teilnehmenden dann am nächsten Tag, wo wir bald in die verschiedenen Arbeitsgruppen eingestiegen sind. Es gab Arbeitsgruppen zu verschiedensten Themen, wie z.B. Cyanobakterien, Kohlenstoffkreislauf oder Seemodellierung, wo alle Interessierten zusammenkamen und Ideen ausgetauscht und diskutiert haben. Im Laufe der Woche sind so zahlreiche Projekte entstanden, die von den sogenannten „Champions“ geleitet und in den nächsten Monaten und Jahren weiterverfolgt werden. Ich selbst habe auch ein solches Projekt übernommen und freue mich schon darauf, gemeinsam mit meinem Co-Champion und allen Leuten, die bereits jetzt oder in Zukunft dazu beitragen werden, daran zu arbeiten.

So voll die Tage auch waren, gab es am Mittwoch eine kleine Auszeit, da dies der Exkursionstag war. Es gab verschiedene Optionen und ich habe mich dazu entschieden, den See vor Ort, den Estany de Banyoles, besser kennenzulernen. Bei strahlendem Sonnenschein haben wir morgens mehr zum Schutz und zur Renaturierung des Sees und der umliegenden Gewässer erfahren. Nachmittags wurde es dann etwas historischer, da am Seeufer die archäologische Stätte La Draga mit einer neolithischen Siedlung liegt.

Bei all diesen verschiedenen Aktivitäten durften auch einige klassische Plenarvorträge und Postersessions nicht fehlen, wo ich mein Poster mit dem Titel „Greenhouse gas production from mineralization of riverine organic matter in a freshwater vs. marine environment“ vorgestellt habe.

Das nächste GLEON Meeting wird in ca. 9 Monaten virtuell stattfinden. Das nächste All Hands‘ Meeting vor Ort findet wiederum 9 Monate später statt. Die Austragungsorte bzw. Gastländer und Daten sind zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Vivien Bernhard